"Taco"

 

Taco ist ein deutscher Schäferhund  und wohnt seit dem 10.04.2016 bei uns. Er war beim Einzug geschätzte 8 Jahre alt und wurde vermutlich ausgesetzt. 

 

Es lief seit einigen Tagen vor unserem Haus im Feld ein Schäferhund herum. Man sah ihn immer wieder entlang laufen, aber er war zu weit weg um ihn anzusprechen und so ängstlich, dass er sofort im Wald verschwand, wenn er uns sah oder wir aus dem Tor kamen. Nach einigen Tagen war er weg. 

 

Zwei Tage später riefen uns deutsche Bekannte vom anderen Ende des Ortes an, bei ihnen wäre seit zwei Tagen ein Schäferhund im Feld neben dem Haus, ob wir etwas wüssten. Wir erzählten ihnen, dass einige Tage vorher ein Schäferhund bei uns unterwegs und seit zwei Tagen nicht mehr da war. Möglicherweise war das dieser Schäferhund. Der Hund war mittlerweile so entkräftet, dass die Frau unserer Bekannten sich ihm annähern konnte und er sich mit ausreichend Zeit auch von ihr anfassen liess. Sobald der Mann in Sicht kam, war er dann aber wieder weg. 

 

Wir sind rüber gefahren und haben uns den Hund angesehen, er war freundlich, aber völlig erschöpft. Wir vereinbarten, dass wir einen Sack Futter bringen würde, sie den Hund die nächste Zeit füttern und wir schauen, ob wir irgendwo auf die Schnelle einen Platz für ihn bekommen können - ich wollte einige infrage kommenden Bekannte anrufen. Als alles soweit besprochen war, machten wir uns auf den Weg zum Auto und sahen den Hund ganz langsam und vorsichtig - obwohl die Männer dabei waren - auf uns zukommen. 

 

Jürgen hat dann spontan beschlossen: wenn er kommt und steigt ins Auto, nehmen wir ihn mit. Er kam, liess sich anfassen, stieg aber natürlich nicht ins Auto - er kannte das sicher nicht. Schlussendlich wurde Taco in den Lieferwagen der Bekannten gepackt und zu uns auf den Hof gebracht. 

 

Der arme Kerl war völlig am Ende, hatte völlig verzweifelte Augen, war total ausgehungert und abartig voll von Flöhen und Zecken - die waren Tage später noch nicht komplett runter. Ich bin kein Freund von Insektiziden, aber in diesem Fall hat er ne Tablette gegen Zecken bekommen, diese Mengen an Zecken waren nicht zu bewältigen. Er hat eine Kerbe in den einem Ohr, das andere ist beschädigt - es sieht aus, als wenn er mal ein Blutohr gehabt hätte und das Ohr nun total verknautscht ist. Er hatte kahle Stellen unter dem Hals - möglicherweise ein Halsband oder eine Kette. Und er war einerseits total mager aber das Gewebe war auch total schwammig, wenn man ihn anfasste. Viele Ungarn ernähren ihre Hunde mit Brot, Milch und reinem Fett - diese Hunde fassen sich dann oft total schwammig an. Er lief unrund, offenbar machte die Hüfte Probleme - Schmerzen hatte er scheinbar aber nicht. Seine Zähne sind total flach und glatt, als wenn er Steine gekaut hätte - wie wir später festgestellt haben, kaut er keine Steine, keine Stöcke, gar nichts...

 

Einen Chip hatte er nicht und vermisst wurde er auch nicht. Wir vermuten, er wurde ausgesetzt, evtl. aufgrund seines Alters -das passiert hier leider nicht selten. 

 

In den ersten Tagen zeigte sich direkt ein sehr merkwürdiges Verhalten: wenn er raus kam, lief er direkt neben dem Tor in ein gedachtes Quadrat von ca. 4 x 4 Metern. Dort bewegte er sich dann nicht mehr weg und hielt sich nur innerhalb dieses Quadrats auf. Es war egal, was wir gemacht haben, er verliess dieses Stück nicht. 

 

Er sollte und durfte sich aber natürlich auf dem kompletten Gelände bewegen, daher haben wir ihm schlussendlich ein Geschirr angezogen und ihn an der Leine aus seinem Quadrat mitgenommen. Der arme Kerl ist fast gestorben vor Angst - sowas haben wir noch nicht erlebt. Er schlotterte und bibberte am ganzen Leib, der Speichel lief ihm aus dem Maul, in den Augen war nur noch das Weiße zu sehen - er hatte buchstäblich Panikattacken. Wehrte sich aber nicht gegen uns und war uns gegenüber absolut lieb - hatte aber fast einen Kollaps vor Angst. Dass wir ruhig mit ihm sprachen hat er in seiner Angst vermutlich gar nicht bemerkt. 

 

Irgendwas ist ihm angetan worden, dass er derartig reagiert, wenn er seinen Platz verlassen soll. Mein Verdacht geht in Richtung Erziehung mittels Strom in übelster Weise, das Verhalten sass richtig tief. Nach ein paar Tagen drang es zu ihm durch, dass er mit uns mitgehen konnte, er lief auf Zuruf auch irgendwann ohne Leine mit. Wenn wir dann aber auch nur eine Sekunde unaufmerksam waren, rannte er sofort in seine Ecke zurück. Bis sich auch das legte waren wir sicher vier Wochen weiter. 

 

Irgendwann ist dann der Knoten geplatzt und er läuft heute frei und fröhlich überall auf dem Hof herum. Er ist auch, bevor er zu uns kam, offensichtlich nie wirklich angefasst worden - als ich ihn das erste Mal gekrault habe, blieb er ganz steif stehen und wusste nicht, was er machen soll. Heute spielt und tobt er mit mir und hat eine Freude am Leben, dass es Spass macht, ihm zuzusehen. Und dass es bei uns tatsächlich für Hunde zweimal am Tag Essen gibt ist für Taco bis heute unfassbar und verdient ein Fest. Er freut sich zweimal am Tag über sein Essen, dass es eine wahre Freude ist. Durch die Grünlippmuschel-Kapseln, die er täglich ins Futter bekommt, ist auch sein Gangbild besser geworden, er läuft heute nicht mehr unrund sondern völlig normal, das freut uns ganz besonders.

 

Tacos einziges Problem sind andere Hunde. Er kannte keinerlei Tiere, als er zu uns kam. Die Esel und Pferde, Ziegen und Schafe waren völlig neu für ihn. Hunden gegenüber ist er grundsätzlich sehr freundlich und absolut nicht aggressiv. Allerdings hat er eine Eigenart, wenn die anderen Hunde anfangen zu laufen. Dann rennt Taco daneben, packt sie im Nacken (er beisst nicht) und drückt den Hund auf die Erde. Das lassen unsere Hunde sich natürlich nicht gefallen und weil wir nicht möchten, dass die jüngeren und stärkeren unserer Hunde den älteren Taco angreifen, läuft Taco nur mit den Mädels auf dem Hof, die mit seiner Eigenart umgehen können. Er hat trotzdem 24 Stunden Kontakt zu allen Hunden - aber zu seiner Sicherheit durch einen Zaun getrennt. 

 

Ich muss gestehen, deutsche Schäferhunde waren nie mein Ding, weil die deutschen Schäfer, die ich bisher kannte, alle ein völlig unberechenbares und inakzeptables Verhalten anderen Hunden gegenüber hatten. Tacos Sozialverhalten ist auch grenzwertig - zugegeben - aber er ist ein so toller Charakter, so lieb, anhänglich, folgsam, genügsam und brav, dass ich mittlerweile ein echter Fan der deutschen Schäfer bin. Bei Taco kann man sogar das Eingangstor offen stehen lassen - er geht kurz raus gucken, kontrolliert den Misthaufen und kommt dann wieder rein. Kein Geld der Welt, kein Leckerchen und auch kein Besuch brächte ihn dann wieder durch das Tor - Taco kann also beim besten Willen nicht selbst weggelaufen sein, er bewegt sich nicht vom Hof weg, unter keinen Umständen. 

 

Ein paar Bilder von Taco habe ich: 

 

 

 

 

 

 

 

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